Misioneras Oblatas de María Inmaculada

 Misioneras Oblatas de María Inmaculada

Kaffeeklatsch bei den Oblatinnen

tresenperuHeute lade ich Sie einmal auf einen Kaffee in meine Kommunität ein, es gibt sogar Rotweinkuchen und heisse Schokolade. Das Besondere an diesem Nachmittag ist allerdings nicht Speis und Trank sondern die Erzählungen und Fotos meiner drei Mitschwestern, die den Sommer in Peru verbracht haben. 

Ja, die Oblatinnen kommen rum, werden Sie nun sagen. Das stimmt! Wie immer gab es in diesem Jahr verschiedene Sommercamps und Aktivitäten, die wir Schwestern begleitet und organisiert haben. Auch in Marokko waren wir wieder, aber davon habe ich ja schon berichtet. Die Mission in Peru ist jedoch ein neues Abenteuer. Teresa, unsere peruanische Mitschwester, hat im Mai ihre ewigen Gelübde abgelegt. Da zu diesem Fest leider niemand von ihrer Familie nach Spanien kommen konnte, hat die Kongregation entschieden, Teresa mit zwei Schwestern in ihr Heimatdorf zu begleiten und dies mit einer vierwöchigen Mission zu verbinden.


Also, los geht die Reise: Mit dem Flugzeug von Madrid nach Lima und weiter nach Cajamarca, einer Provinzstadt in den Bergen. Hier war die Residenz des Inkaherrschers Atahualpa, dem die spanischen Eroberer im Jahre 1532 übel mitgespielt haben. Aber unsere Schwestern kommen in friedlicher Absicht und fahren mit einem Kleinbus noch drei Stunden weiter nach Bambamarca, einer kleinen Bezirksstadt. „>>Ende des Asphalts>> stand immer wieder auf kleinen Hinweisschildern und sehr schnell wussten wir was damit gemeint ist“, erzählt Kasia, meine Mitschwester aus Polen lachend. „Es gab unendlich viele Kurven und wir waren in eine riesige Staubwolke gehüllt. Von Bambamarca aus ging es nochmal eine Stunde lang nur bergauf, denn „Moran Lirio“, Teresas Heimatdorf, liegt auf einer Höhe von 3.600 Metern. In der Dorfmitte wurden wir von Teresas F02pueblo de Teresaamilie und den Obrigkeiten erwartet und mit bunten Plakaten begrüßt. Das war ein toller Empfang.“

Zu dem typischen peruanischen Bergdorf gehören ca. 1.200 Personen. Es gibt einen Dorfkern mit der Markthalle, der Apotheke, dem „Ärztehaus“ und der Schule, und dann verstreuen sich die einzelnen Häuschen, die hauptsächlich aus Lehm gebaut sind, weit über die Hügel. Das Dorf hat eine kleine Kapelle, die vor ungefähr fünf Jahren renoviert wurde. Doch es gibt nur zwei Priester für die ca. 180 Dörfer, die zu der Region Bambamarca gehören. So wird in der kleinen Kirche nur zum Patronatsfest Johannes des Täufers Gottesdienst gefeiert. Ansonsten hält man dort auch Versammlungen oder sonstige Veranstaltungen ab. Die knappe Besetzung der katholischen Kirche machen sich natürlich die Sekten zu nutzen, die sehr stark in der Gegend vertreten sind.
Ein großes Anliegen der Oblatinnen ist es, das in der Zeit der Mission das Allerheiligste Sakrament im Dorf seinen Platz hat. Und da es dafür keinerlei Vorrichtungen gab, mussten die eben geschaffen werden. Im Gepäck der Missionarinnen war ein kleiner schlichter Tabernakel, ein schönes Holzkreuz, eine Marienstatue und ein kleiner Marienschrein sowie weiteres liturgisches Material, das wir durch großzügige Spenden in Spanien erwerben konnten. Nun fehlte nur noch der geeignete Ort in der Kapelle. Diese musste aber erst einmal vorbereitet werden.


09 se reza juntosRaquel erzählt, dass sie erstmal den Schlüssel ausfindig machen mussten um dann nur eine kahle Halle zu öffnen. „Es gab einen wackeligen Tisch anstelle eines Altars, ein einfaches Balkenkreuz und die Bänke. Wie es die Vorsehung wollte, fanden wir im Eingangsbereich eine große Anzahl von Farbtöpfen und Malermaterialen, die von der Renovierung übrig geblieben waren. Da wussten wir, was zu tun war.“
07 hay mucho trabajoNun hieß es, ran an die Arbeit. Der Tagesablauf richtete sich nach den Bedürfnissen der Leute. In der ersten Woche hatten die Kinder noch Ferien, so kamen sie jeden Morgen in die Kirche, beteten mit den Schwestern Laudes und hörten danach gespannt der Katechese über das Leben Jesus zu. Danach ging es raus auf die große Wiese zum Spielen mit den Missionarinnen. Nachmittags arbeiteten die drei Oblatinnen dann an der Gestaltung der Kirche. Die Wände wurden mit den Symbolen der sieben Sakramente bemalt. Das Kreuz und der Tisch bekamen einen neuen Anstrich und auch der Altarraum wurde mit Zeichnungen verschönert. Natürlich waren sie bei ihrer Arbeit nie allein. Die Jugendlichen vom Dorf boten ihre Hilfe an und die Kinder stromerten ebenfalls den ganzen Tag in der Kirche umher. Abends wurde jeden Tag ein Wortgottesdienst gefeiert.

Um sonntags am Gottesdienst teilnehmen zu können, mussten die Missionarinnen nach Bambamarca. Zu Fuß sind das vier Stunden, aber die drei ließen sich nicht davon abbringen diesen Weg zu laufen. Sie wollten die schöne Landschaft genießen, jedoch sehr zum Leidwesen von Teresas Bruders, der die drei mit seiner Frau und Tochter begleitete. Ihm blieben die Schmährufe der vorbeifahrenden Taxis nicht erspart. „Emilio, bist 12 clase de inglés con Nuriadu so arm, dass du den Mütterchen (so wurden die Ordensschwestern ehrfürchtig von den Einheimischen genannt) kein Taxi bezahlen kannst?“
Das Team bekam in der zweiten Woche von zwei Spanierinnen Verstärkung. Daraufhin besuchten nun die fünf die Grundschule und auch die höheren Klassenstufen, gaben Religionsunterricht und halfen auch im Englischunterricht aus. Die Kinder hatten großen Spaß an den kreativen Schulstunden. Nachmittags begann nun eine intensive Vorbereitung auf die Sakramente der Taufe, der Kommunion und der Firmung, die der Bischof am Abschlusssonntag spenden würde. Und so gestaltete sich auch die dritte Woche. Am Samstag vor dem großen Tag kam einer der Priester ins Dorf, um drei Babys zu taufen und um die Beichte der Firmlinge und Kommunionkinder zu hören. Drei Stunden saßen die  Erwachsenen und Kinder geduldig auf den Bänken in der Kirche und rührten sich nicht, bis alle gebeichtet hatten. Danach gab es heiße Schokolade und Kuchen. Die Schokolade kam aus Spanien und die Milch brachten die Leute in kleinen Kännchen, jeder so viel wie er entbehren konnte. Nicht jede Familie hat eine eigene Kuh für ihren Lebensunterhalt. Die Leute halten ein paar Hühner, vielleicht ein Schwein und „Quwis“ eine Form von Meerschweinchen, die als besondere Spezialität Perus gilt. Hauptnahrungsmittel sind Kartoffeln und Reis. In den Lehmhäusern gibt es keine Elektrogeräte, selbst die Feuerkochstellen befinden sich außerhalb der Hütten. Samstags findet ein Lebensmittelmarkt statt und alles weiter gibt es in Bambamarca.


DSC 0634Am Sonntag war der große Dankgottesdienst anlässlich der ewigen Gelübde von Teresa. Dafür hat Teresas Familie sich schwer ins Zeug gelegt, denn bei so einem Fest muss das ganze Dorf verköstigt werden. Es wurde extra eine Kuh geschlachtet und über 30 Quwis. In einem feierlichen Zug, angeführt von der Musikkapelle, zogen die Missionarinnen, der Bischof mit dem Priester, die Obrigkeiten, die 20 Kommunionkinder und die 16 Firmlinge durchs Dorf und schließlich in die Kirche, die bis auf den letzten Stehplatz ausgefüllt war. 
Man merkt den dreien an, dass sie beim Erzähle23 nuestras hermanas misioneras con el obispo y el parrocon mit ihren Gedanken weit weg sind. Wir sehen uns die Fotos an, aber die drei hören die Musik, denken an die Menschen, die sie kennengelernt und mit denen sie diese Erfahrung geteilt haben. Raquel fasst es so zusammen: „Als ich die Kirche so prall gefüllt sah, mit all den Menschen, die so weite Wege aus den Bergen auf sich genommen hatten um in die Kirche zu kommen und die vielen Kinder, da wusste ich, dass Gott mir auf diese Weise zeigen möchte, dass sein Reich den Menschen der einfachen Herzen gehört.“

Kathrin OMI